Reisegeschichten

Bangkok für Foodies Teil 1: Foodstreets

May 13, 2015
Foodstreets in Bangkok bei Nacht: Chinatown

Immer der Nase nach! oder:

“Die Stadt, die immer hungrig ist.”

Das ist Bangkok für mich. 1.000 Gerüche, 1.000 Eindrücke, 1.000 verschiedene Geschmäcker, die in der Hauptstadt Thailands aufeinander treffen. Und irgendwo dort, zwischen dem Gewusel aus Einheimischen und Touristen, hab ich mein Herz verloren. Wahrscheinlich hab ich es bei der Dame liegen gelassen, die mich morgens schon freudig grüßt und mir gebutterten Toast mit Kondensmilch unter die Nase hält. Oder der etwas griesgrämige Kerl mit dem besten Obst der ganzen Straße hat es sich gekrallt. Irgendwas hat diese Stadt, die so viele Menschen so ganz schrecklich finden. Jedenfalls erfüllt mich die Sehnsucht nach Bangkok irgendwie immer ein klein wenig. Mal weniger, mal mehr, aber immer unter dem einen Motto: Essen!

Wahrscheinlich liebe ich Bangkok so sehr, weil es dort immer und überall Essen gibt. An jeder Ecke und zu jeder nur denkbaren Uhrzeit. Die Menschen planen ihren Tag nicht nach Bürozeiten oder dem Tageslicht. Nein – sie denken von Mahlzeit zu Mahlzeit.

Während man in Bangkok wirklich alles haben kann – vom Haubenlokal bis zur gebratenen Heuschrecke – esse ich am liebsten dort, wo sich am meisten tut: auf der Straße. Darum beginnt die kleine Serie heute mit den besten Foodstreets in Bangkok, bevor ich euch in Restaurants und in den Norden Thailands entführe. Also los gehts: Werft alle Vorurteile über Board und schlendert mit mir durch die tollsten Fressstraßen Bangkoks.

Soi 38 - eine der besten Foodstreets in Bangkok, Thailand

Soi 38 Foodstreet in Bangkok von oben
Sukhumvit Soi 38 – Bangkoks Foodstreet für Einsteiger

Gleich neben der BTS Station Thong Lor gelegen eröffnet sich ein kleines Paradies für Streetfood-Fans. Stand reiht sich an Stand in dieser kleinen Nebenstraße, die rund 200 Meter lang zwischen den  Hochhausschluchten des neuen Nobelbezirks alles bietet, was das Foodie-Herz höher schlagen lässt: Isaanfood (hierzu gehört der Papaya-Salat “Som Tam”), frische Smoothies aller Sorten die man sich nur vorstellen kann (mein Tipp: unbedingt Guave kosten!), Reisgerichte (“Kao pad”), populäres Pad Thai, Curries und Desserts.

Trauriges Update: Ab Februar 2016 müssen die Ständler der Soi 38 einem neuen Bauprojekt weichen. Sei also schnell und koste dich jetzt noch durch das Angebot!

Wie jede Foodstreet kann auch die Sukhumvit mit dem altbewährten Plastiksessel-Charme aufwarten. Gegessen wird dort, wo grad Platz ist. Manchmal auch ohne Tisch, aber immer fest am Plaudern mit den Nachbarn. So ist das Essen wenigstens kommunikativ. Aber nachdem du ja schon an dieser Stelle des Beitrags angekommen bist, wird dich das bestimmt nicht abschrecken.

Spießchen - Foodstreet in Bangkok, Thailand

Die Soi 38 ist mein sicherer Hafen, wenn ich in Bangkok einmal keine Lust habe, mich auf Abenteuerreise zu einer neuen Entdeckung zu machen. Auf die Qualität, die Auswahl und den Preis der Speisen kann man sich verlassen., daher habe ich schon die ein oder andere kulinarische Musestunde hier verbracht.

Die Sukhumvit Soi 38 kann ich ganz besonders Thailand-Neulingen ans Herz legen, weil man sich für kleines Geld einmal querbeet durch die Landesküche kosten kann. Die Köche verstehen weitestgehend Englisch, sodass du deine Speisen auch weniger scharf zubereitet bekommst.

Foodstreet in Bangkok, Thailand: Frisch über Kohlegrill

Besonders zu empfehlen: der Fisch in Salzkruste. Er wird über offenen Kohlen geröstet und im ganzen mit einer höllisch scharfen Sauce aus Chili und Limetten serviert. Die gehört aber unbedingt dazu! Einfach ein bisschen Fisch abzupfen, in die Sauce tunken und genießen. Sollte es für den Anfang zu viel Chilli sein, steht immer allerhand Grünzeug bereit. Salat, Kraut und Bohnen lindern die Schärfe fürs erste.

Streetfood in Bangkok Soi 38: Fisch

Der oben abgebildete Fisch hat rund 250 Baht gekostet, was etwa 6,50 Euro entspricht. Dazu bekommt man Reis sowie die obligatorischen Cillisaucen und jede Menge Grünzeug. Von dieser Portion wurden wir zu zweit satt. Notiz an die Sparfüchse: diese Mahlzeit ist für thailändische Verhältnisse exorbitant teuer! In der Regel reichten 120 Baht (rund 3 Euro) für eine üppige Streetfood-Mahlzeit mit Hauptgang, Reis, Wasser und Smoothie aus.

So kommst du hin: Fahre mit der Sukhumvit Linie der BTS bis zur Haltestelle Thong Lo und nehme den Ausgang Nummer 4. Wenn du die Treppen runter gehst, biege sofort links ab. Willkommen im Streetfood-Heaven! Bestimmt wirst du die Foodstreet schon beim Aussteigen aus dem Zug entdecken, du kannst sie eigentlich nicht verfehlen.

Öffnungszeiten: Im Grunde gibt es keine fix regulierten Zeiten, an denen Straßenstände geöffnet haben. Dennoch zeichnet sich an bestimmten Orten eine gewisse Regelmäßigkeit ab. In der Sukhumvit Soi 38 beginnt das große Fressen täglich ab 17.00 Uhr und endet um etwa 2.00 Uhr früh.

Überblick über die Foodstreets rund um Victory Monument in Bangkok
Victory Monument – Thai-Streetfood für Unersättliche

Aussteigen, anschnallen, losessen! Das Victory Monument ist ein gigantischer Kreisverkehr inmitten der Stadt und gleichzeitig wichtigster Verkehrsknotenpunkt für die Busse, die ins Umland weiter fahren. Wie überall in Bangkok bedeuten auch hier Menschenansammlungen richtig gutes Essen.

Festessen am Victory Monument in Bangkok

Rund um das Monument führt hoch erhoben über den Straßen ein Skywalk, der Hungrige zu den Nebenstraßen, den sogenannten Sois, bringt. Zahlreiche davon zweigen vom Kreisverkehr ab, man muss sich nur für eine der Straßen entscheiden und eintauchen ins Gedränge. Angst vor großen Menschenmengen darf man hier nicht haben, denn in den frühen Abendstunden wuselt es nur so vor Pendlern und Schülern in ihren hübschen Uniformen.

Im Nordosten des Victory Monument haben sich die Nudelsuppen-Stände niedergelassen. Wie fast nichts andere lieben die Thais ihre Boatnoodles: kleine Schüsselchen mit Suppe und allerhand Beilagen wie Fleischbällchen, Gemüse, Nudeln und Fisch.

Scheu dich nicht, in die Nebenstraßen hinein zu spazieren und nach Ständen Ausschau zu halten, die dir gefallen. Vom gegrillten Fisch über Salate, mariniertes Fleisch und Reis findest du alles mögliche. Das einzig Schwierige wird sein, dich für einen Straßenstand zu entscheiden. Ein Tipp: Nimm den mit dem meisten Gedränge und ein paar Minuten Wartezeit in Kauf. Dort wo was los ist, schmeckts in der Regel am besten. Das gilt für thailändische Straßenverkäufer genauso wie für Salzburger Würstelstandl. Wir waren übrigens sehr sehr glücklich mit unserer Wahl, wie du unten auf dem vollgestopften “Happyface”-Foto erkennen kannst.

Big Feast mit Fisch an einer Foodstreet am Victory Monument in Bangkok, Thailand

Ich esse übrigens liebend gern mit den Fingern – auch in Bangkok!

Wenn du magst bekommst du deine Mahlzeit auch zum Mitnehmen in praktischen Doggybags, denn so passt es auch den vielen Reisenden bequem ins Gepäck.

So kommst du hin: Nimm die Silom Linie der BTS und steige bei der Haltestelle Victory Monument aus. Hier oben auf der Skytrain-Station findest du auch super Plätzchen für das ein oder andere Erinnerungsfoto aus Bangkok.

Öffnungszeiten: Am Victory Monument ist den ganzen Tag was los. Wenn du zwischen 10.00 Uhr Morgens und 20:00 Abends ankommst, sind noch alle Street Stalls geöffnet und ready, dich kulinarisch glücklich zu machen.

Foodstreet Yaowarat bei Nacht in Chinatown, Bangkok

Chinatown – Bangkoks populärstes Foodstreet-Viertel

Chinatown als Foodstreet zu bezeichnen wäre eine unerhörte Untertreibung. Das dichte Netz aus kleinen Gässchen und vierspurigen Straßen verwandelt sich nach Sonnenuntergang in ein riesiges Freiluft-Buffet. Vergiss All Inclusive – vergiss die sonntäglichen Brunch-Buffets beim Wirt um die Ecke! Das hier, meine Lieben, ist das Streetfood-Nirvana! (Wortwitz, Wortwitz! Chinatown, Buddhismus, Nirvana – ihr versteht!)

Foodstreet in Chinatown, Bangkok

Untertags ist hier ohnehin schon viel los. Bangkoks Umschlagplatz für Waren aller Art, aber hauptsächlich für Lebensmittel und Gemüse, ist auch bei Tageslicht ein Besuch wert und fehlt bei keiner einzigen meiner Reisen nach Thailand. Wagenladungen voll Frühlingszwiebeln, Chillies, Karren mit Pilzen und andere Leckerbissen sind wohl der beste Beweis, dass Bangkok unersättlich und immer am genießen ist.

Sobald die Sonne hinter den Hochhäusern verschwindet, gibt es Schichtwechsel rund um die Yaowarat Road und die Sampeng Lane. Am Abend haben die Streetfood-Köche das Sagen. Der Schein trügt allerdings: hier wird nicht nur chinesische Küche kredenzt. Auch Thaifood und Indisch steht auf dem Speiseplan. Allerdings bekommst du natürlich chinesische Klassiker wie geschmortes Schwein oder Dim Sum (gefüllte Teigtaschen).

Bangkok: Foodstreet-Mekka in Chinatown, Thailand

Ich rate dir: lass dich nicht von Hemmungen daran hindern, Tolles zu erleben! Chinatown ist der richtige Ort dafür, einmal etwas verrücktes zu tun. Zumindest in kulinarischer Hinsicht.

So kommst du hin: Abends ist Chinatown relativ schwierig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, ich empfehle daher das Taxi oder Tuktuk. Oder du nimmst die MRT und steigst an der Haltestelle Hualamphong aus. Nach einem 10-minütigen Spaziergang wirst du auf die ersten Straßenverkäufer stoßen.

Öffnungszeiten: Eigentlich immer! Die meisten Streetfood-Händler und Restaurants bauen jedoch ab Sonnenuntergang auf und erst spät in der Nacht wieder ab.

Noch immer nicht sicher, ob Bangkoks Foodstreets dein Ding sind?

Die Dame hinter dem Herd weiß nicht, was du meinst? Zeige mit dem Finger einfach auf ein Gericht vor dir oder die Portion eines anderen Kunden und sie wird es dir zubereiten.
Du hast eigentlich gar keine Ahnung, was du da gerade isst? Egal – Hauptsache, es ist gut durchgebraten. Über den Rest entscheidet der Geschmack. Echt jetzt.
Du bist dir nicht sicher, für welchen Stand du dich entscheiden sollst? Nimm in der Regel immer einen, der besonders gut besucht ist. Viele Menschen vor einem Street Stall sind gerade in Bangkok ein Zeichen für richtig gutes Essen.

Selbst der beste Thailänder deiner Stadt ist ein lahmer Abklatsch dessen, was dich auf Bangkoks Straßen erwartet. Die Aromen frischer Kräuter, dazu Moped-Abgase und fremde Sprachen: unter den Foodstreets der Welt ist Bangkok die ungekrönte schlampige Königin.

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7 Comments

  • Reply Michaela December 29, 2015 at 09:22

    Ohhhhh, ich freu mich schon. Am 11. Jänner geht’s los nach Bangkok. Und nach deinen Erzählungen und Schwärmereien haben wir gleich einen längeren Aufenthalt in der Stadt eingeplant. Wenn du noch weitere Insider-Tipps hast, bitte melden 😉

  • Reply Steffi December 15, 2015 at 16:59

    Sooo, jetzt werd ich mich mal einlesen und mental auf Bangkok vorbereiten 😉

    • Reply Conny December 16, 2015 at 10:54

      Ohja – unbedingt <3

    • Reply Conny December 18, 2015 at 23:19

      Es freut mich, dabei gewesen zu sein liebe Nadine <3

  • Reply Schmausepost vom 15. Mai | Schmausepost May 15, 2015 at 13:35

    […] Auf der Straße: Was Ber­lin für Deutsch­land ist Bang­kok für die Welt — näm­lich eines der Epi­zen­tren, was kuli­na­ri­sche Krea­ti­vi­tät anbe­langt. Conny von „Moment in a Jelly Jar“ star­tet nun eine Serie „Bang­kok for Foo­dies“ und beginnt mit den Food­streets der thai­län­di­schen Metro­pole. Moment in a Jelly Jar […]

  • Reply Dorothea May 14, 2015 at 14:10

    Oh Conny!
    Muss das sein?!?!?
    Nun hat sich Bangkok wieder eingenistet in meinem Hirnbauch und überhaupt überall und ich bin dafür, dass es einen Jellyjarblogflug gibt.
    Oder überhaupt eine fixe tägliche Abendessenschnellflugverbindung….
    oder BEAMEN!!
    Ja!
    BEAMEN ist die beste Lösung!
    Treffen wir uns in Chinatown??? 😉
    19 Uhr ?? Heute??

  • Reply Andersreisender May 14, 2015 at 09:50

    Wann geht der nächste Flug…? Ich will sofort wieder nach Asien!

    Viel Spaß beim Schlemmen & liebe Grüße nach Chinatown!

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