Reisegeschichten

Slowenien für Foodies: Prekmurje und seine Weizenfelder

August 20, 2015
Weizenfelder in Prekmurje, Slowenien

Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du Slowenien hörst? Meer vielleicht, glasklare Bäche und der Weg zum Kroatienurlaub? Stimmt natürlich. Aber auch goldene Weizenfelder und Weinbaugebiete sind Slowenien. Genauso wie freundliche Menschen und herzhafte Küche. Meine Reise nach Slowenien hat mir genau das gezeigt und mich die meisten meiner Vorurteile vergessen lassen. Die hatte ich nämlich, das muss ich leider zugeben.

Drei Tage lang habe ich Prekmurje im Nordosten Slowenien durchkreuzt. Imker besucht, Biobauernhöfe, alte Mühlen und Haubenrestaurants. Die gibts nämlich auch in Slowenien. Prekmurje ist nicht derzeit noch nicht groß bekannt für seine touristische Attraktivität. Nutze es also jetzt noch aus, eine Region zu erkunden, die noch nichts von ihrem ursprünglichen Charakter einbüßen musste.

Welche Erkenntnisse vom Kurztrip in den Osten Europas geblieben sind?

  • Genuss hat nichts mit Budget und augenscheinlichem Reichtum zu tun.
  • Vielmehr liegt er darin, die einfachen Dinge wertschätzen zu können
  • und sie zu einem Festmahl zu machen.

Auch das ist Slowenien. Ich lade dich ein, gemeinsam mit mir noch einmal nach Prekmurje zu reisen.

Urige Gemütlichkeit am Bauernhof Firbas in Prekmurje, Slowenien

Domacija Firbas im Herzen Prekmurjes

Prekmurje: Gold ist die Farbe der Weizenfelder

Als wir die Österreichische Autobahn verlassen, kurz vor dem alten Grenzübergang, hat sich die Landschaft schon ein wenig verändert. Es ist nicht mehr nur das gewohnte Waldgebiet der Steiermark durch das wir fahren. Vielmehr werden die Bäume nach und nach von Kornfeldern ablöst. Hübsche Felder mit den unterschiedlichsten Getreidesorten begleiten uns bis nach Moravske Toplice, dem Ort der unser Ausgangspunkt für die nächsten Tage sein sollte. Was uns auffällt: Hier wächst so vieles, was bei uns im Juni noch nichtmal blüht. Es gibt Kürbis- und Zucchinifelder und der Weizen ist schon beinahe erntereif.

Getreideähren im Norden Sloweniens

Wieviele Getreidesorten gibt es eigentlich? – Geht mir durch den Kopf. Und wie schön, dass hier so vieles nebeneinander wächst und die Landschaft in einen farbenfrohen Patchworkteppich verwandelt.

Die Landschaft gleicht einem farbenfrohen Patchworkteppich aus Getreidefeldern

Später erklärt man uns, dass Prekmurje die ärmste Region Sloweniens ist. Dass die Arbeitslosenquote ungleich höher ist als in anderen Regionen des Landes und durch fehlende Investitionen die Wirtschaftskraft sinkt. Landwirtschaft ist noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig der Region. Und der Tourismus, der sich derzeit zwar noch hauptsächlich auf Thermalgäste stützt. Das soll sich jedoch bald ändern.
Blühende Pflanzen säumen die Weizenfelder in Prekmurje, Slowenien

Egal wo wir uns in den drei Tagen befanden, ob in Murska Sobota (der Hauptstadt der Region), in Goricko oder Radenci: Der Weizen ist immer da. So golden und satt, dass man ihn anfassen möchte, seine Picknickdecke in der Mitte ausbreiten und in den Himmel blicken.

Portrait inmitten der Weizenfelder Sloweniens

Käse, Wein, Brot und … Käse! So viel, dass wir ihn heimlich aus dem Restaurant schmuggeln mussten

Was macht den Unterschied zwischen tollen Menschen und wirklich tollen Menschen aus? Sie teilen ihre Mahlzeit mit dir. In Prekmurje wurde so viel geteilt, dass man wirklich glaube könnte, durchs Teilen verdoppelt sich die Menge. Wahrscheinlich hat uns die frische slowenische Luft so viel Appetit gemacht. Zu viel manchmal. Je mehr wir bestellten umso fröhlicher wurden die Gastgeber. Die Slowenen lieben es, andere zu verwöhnen und tun dies herzlich und ehrlich. Und reichlich.

Das Essen in Slowenien: herzhaft und reichlich

Mit Wein fängt alles an – und mit Käse auch

Wir haben ja viel erwartet in Slowenien. Allen voran rustikale Häuser, weiß getüncht und mit Holz gedeckt. Ebenso rustikalen Wein, der zur deftigen Hausmannskost passt. Das was uns im Weingut Marof empfangen hat, mochte so gar nicht in dieses Bild passen.

Statt dicke Ziegelwände schmiegen sich Holz und Stahl in die Weinberge.
Statt herben Tropfen kosten wir komplexe Weißweine, die in ihrem Charakter eher an Rotweine erinnern.
Statt angehaltenen Uhren entdecken wir Menschen, die ihrer Zeit voraus sind.

Modernes, puristisches Design im Weingut Marof, Slowenien

modern und puristisch schmiegt sich das Weingut an die Hügellandschaft

Wir lassen uns Zeit beim Verkosten und probieren nur zwei der edlen Tropfen. Nicht weil es und nicht schmeckt – im Gegenteil! Lieber möchten wir die Weine wirken lassen, als sie im Akkord zu kosten. Die Trauben rund ums Weingut Marof werden mit der Hand gepflückt und liebevoll verarbeitet. Das schmeckt man.

Basic Rosé vom Weingut Marof in Prekmurje

Basic Rosé vom Weingut Marof in Prekmurje

Uns ist klar: Eigentlich haben wir keine Ahnung von Wein. Was ist Kopf und Herznote? (Gibt es das überhaupt bei Weinen?!) Hat der nun einen besonderen Abgang? Egal. Wir müssen keine Profis sein um festzustellen, dass es uns hier gefällt. Uros Valcl, der uns ein wenig über das Weingut erzählt, kommt gerade eben aus den Weinbergen und wir überlegen kurz, ob die Arbeitsschuhe und verwuschelten Haare zur Show gehören. Doch wir erinnern uns: Slowenen sind ehrlich. Darum erzählt er uns auch, dass er keine Weine für jedermanns Geschmack macht. Lieber sucht er nach dem Außergewöhnlichen. Weine herstellen, die allen schmecken kann schließlich jeder, sagt er. Und lädt uns danach auf ein Essen ein, das uns noch ein wenig begleiten soll.

Breg Chardonnay vom Weingut Marof in Prekmurje

Breg Chardonnay kann in voluminösen Gläsern viel besser wirken

Du wartest jetzt bestimmt auf die Käseschmuggel-Geschichte. Nun. Hier ist sie – und sie hat mit Gier zu tun. Es ist ja nicht so, also ob wir in Slowenien jemals gehungert hätten. Aber beim Blick auf die Speisekarte im kleinen Restaurant am Weingut kann sich mein Begleiter kaum zurückhalten. Er bestellt neben unseren beiden Hauptgängen eine Käseplatte als Vorspeise. Und das war das Anfang vom Ende.

Dekoration im Weingut Marof, Prekmurje Slowenien

Diese Käseplatte war so groß, dass wir das ganze Wochenende davon hätten satt werden können. Mit dem Käse wurde auch Trockenobst serviert und süßer Honig. Scharfer Senf und Nüsse. Und überall mussten wir kosten weil es so köstlich war. Es war wie im Schlaraffenland. Wir waren im Käse-Koma. Kurz vor dem seligen Delirium wurde uns jedoch bewusst, dass das noch nicht alles war. Es sollte noch ein Hauptgang darauf folgen. Wie sollen wir bitte das alles essen, ohne das Gesicht vor dem hübschen jungen Kellner zu verlieren?! Uns kam die Glasbox in den Sinn, in der wir früh morgens noch das Frühstück eingepackt haben. So stahl ich mich zum Auto, packte die Glasdose in meine Handtasche (EINMAL machen große Handtaschen wirklich Sinn, danke!) und schlich wieder zurück zum Tisch. So unauffällig wie möglich versuchten wir nun, die Käsereste einzupacken. Es darf schließlich niemand sehen, dass wir satt sind – so eine Schande kommt uns nicht ins Haus.

Impressionen vom Weingut Marof in Prekmurje, Slowenien

Impressionen vom Weingut Marof in Prekmurje, Slowenien

Wir haben es also geschafft, die Käseplatte unbemerkt in meiner Handtasche verschwinden zu lassen. Glauben wir zumindest. Nachdem wir auch den Hauptgang beinahe restlos verputzt hatten, warf uns der Kellner einen bewundernden Blick zu. Ja wenn der nur wüsste …

Käseplatte im Restaurant des Weinguts Marof in Prekmurje, Slowenien

die verhängnisvolle Käseplatte

Merke: Gostilna heißt auf deutsch Gasthaus

Die Gostilna Rajh (gesprochen: Reich) ist aber nicht irgendein Gasthaus. Hier werden slowenische Spezialitäten nach altem Rezept gekocht, das damals schon die Oma perfektionierte. Jetzt, in der vierten Generation, gehts im Rajh ein bisserl leichter zu. Auch die Slowenen gehen gerne mit der Zeit und haben selbst keine so große Lust mehr auf die schwere Arbeiterküche. Daher haben die heutigen Besitzer Tanja und Damir die Gerichte ein wenig geändert. Aber nur soviel, dass man sie auf Schlemmertouren durch Slowenien leicht verdauen kann. Für Gäste wie uns.

Gruss aus der Küche im Gostilna Rajh, Prekmurje Slowenien

Gruß aus der Küche im Rajh

Die Oma lässt es sich aber dennoch nicht nehmen, jeden Tag als erstes in der Küche zu stehen. Gewisse Rituale werden sich wohl nie ändern – und das ist auch gut so. Im Rajh kosten wir uns durch vier herrliche Gänge, die allesamt das Neue mit dem Alten verbinden. So haben wir auch Slowenien kennen gelernt: traditionsbewusst mit einem frischen Wind. Es gibt selbstgebackenes Brot, viel Kürbiskerne, frischen Salat und Kartoffeln.

Vorspeise: Geräucherter Fisch auf jungen Blattsalaten im Rajh, Prekmurje Slowenien

Nett serviert: Vorspeisensalat auf Holzbrett

Die Raffinesse im Rajh liegt auch an der ungewöhnlichen Darbietung der Gerichte. Ich selbst habe noch nie Brötchen auf einem Stein serviert bekommen, oder Salat auf einem Baumstamm. Das Auge isst schließlich mit und im Rajh ist man sich dessen durchaus bewusst. Das ist übrigens die einzige uns bekannte Station in Prekmurje, die so viel Wert auf das Anrichten der Speisen macht. Andernorts schmeckt es zwar nicht minder gut, die Präsentation ist dabei aber eher nebensächlich.

Dessert: leichte Panna Cotta mit Kürbiskernboden und Himbeereis im Rajh, Prekmurje Slowenien

Panna Cotta – Kürbiskernboden – Himbeereis im Rajh

Oma, wir sind in Jeruzalem!

Ja, was geografisches Allgemeinwissen betrifft bist du mir bestimmt haushoch überlegen. Aber wusstest du, dass es in Slowenien ein Jeruzalem gibt? Wir auch nicht, keine Schande! Die Weinstraße zwischen Ljutomer und Ormoz gleicht optisch der Toskana, aber geschmacklich sind wir eindeutig in Slowenien. Jedenfalls konnten wir es uns nicht verkneifen, die Oma kurz anzurufen und zu berichten, dass wir grade in Jerusalem sind. Das lief dann ungefähr so ab:

„Hallo Oma, wir sind in Jeruzalem!“
„Was?! In Jerusalem?! Du bist doch nichtmal getauft! Also … also dass DU mal nach Jerusalem fährst…“
„Ja Oma, es ist so schön hier! Lauter Weinberge und so.“
„Und wie kommst du nach Jerusalem?“
„Mit dem Auto, Oma. Nach Graz und dann über die Grenze.“
„Mit dem Auto?! Das ist aber schon weit bis da runter. Seit wann gibts denn in Jerusalem an Wein?“

Jeruzalem in Slowenien - die bekannte Weinstraße

Pilgerkirche am Berg in Jeruzalem

Und so weiter und so fort, bis wir dann das Rätsel aufgelöst haben und Oma das irgendwie gar nicht lustig fand.

Du bist doch nichtmal getauft! Also … also dass DU mal nach Jerusalem fährst…

Nachdem Jeruzalem so bekannt ist für den Wein, kosteten wir auch dort das ein oder andere Glaserl. Beim Weinbauern Puklavec hatten wir einen traumhaften Ausblick über die Berge und das ganze Gasthaus für uns. Man servierte uns Topfweise Pilzsuppe und eine riesige slowenische Schlachtplatte. Die war mindestens genauso groß wie die Käseplatte vom Vortag. Plus Wein – und davon reichlich, weil wir ja wissen, dass Wein und Käse und Schlachtplatten so gut zusammenpassen. Es war ein Festmahl.

Sonnige Stunden bei Weinbauer Puklavec in Jeruzalem

Der Käse vom Vortag blieb uns übrigens noch ein wenig länger erhalten. Genauergesagt hat er’s sogar bis über die österreichische Grenze geschafft – aber nur knapp.

Slowenien – das Paradies für Käsetiger und Weinliebhaber. Und für Fleischfresser, ähem.

Auf unserer Reise haben wir absichtlich die großen Namen links liegen lassen. Ljubljana, Maribor oder die Küste haben uns dieses Mal nicht interessiert. Dafür besuchten wir Orte, die man nicht so schnell auf der Karte findet. Ja sogar nichtmal auf Pinterest vertreten sind. Frei nach unserem liebsten Motto „Discover a country by its taste“ folgten wir unserem Geschmack und haben dabei gelernt, wie glücklich ein Stück Käse machen kann. Oder zwei.

Als Reisender merkt man ja meist, wie sich echt Gastfreundschaft anfühlt. Ob sie so eingeübt ist, dass sie den Gegenüber möglichst einfach über die Lippen kommt. Sie funktioniert wie geschmiert und genauso spürt sie sich auch an. Das, meine Lieben, werdet ihr in Slowenien nicht finden. In Prekmurje ist alles ein wenig rauher, die Leute genauso wie das Essen und die Luft und Landschaft. An das muss man sich erstmal gewöhnen, aber dann ist es wunderbar.

Eingang zur Pilgerkirche in Jeruzalem

Eingang zur Pilgerkirche in Jeruzalem

Du solltest nach Prekmurje reisen wenn du …

  • Käse liebst. Ja – das muss ich nochmal betonen, es gibt hier wirklich guten Käse.
  • Wein magst. Den gibt es hier nämlich auch und – ich weiß das sollte man eigentlich nicht laut sagen – zu einem super angemessenen Preis.
  • gerne im Heu schläfst. Am Firbas-Bauernhof kann man das nämlich tun und bekommt noch eine Jause obendrauf, die nur aus Produkten vom eigenen Hof stammt.
  • Fleischtiger bist. Die traditionsreichsten Gerichte sind nun einmal aus oder mit Fleisch und das nicht zu knapp. Das ist für mich als Pesco-Vegetarierin natürlich suboptimal, aber es hat sich immer etwas gefunden. Siehe oben unter Käse und Wein.
  • keine Lust auf Touristen hast. Uns sind in den drei Tagen, mal abgesehen vom Hotelaufenthalt, keine anderen Reisenden über den Weg gelaufen.
  • von Weizenfeldern nicht genug bekommen kannst. Die säumen nämlich gefühlt jede Straße und sind das wunderhübscheste Fotomotiv.

Die Reise wurde mir kostenlos von MGM Media zur Verfügung gestellt.Vielen Dank an dieser Stelle dafür! Meine Gedanken und Meinungen bleiben davon jedoch unbeeinflusst.

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1 Comment

  • Reply Lena August 21, 2015 at 10:32

    Liebe Conny,

    was für ein toller Bericht. Als wir im Juni im Anschluss an das SATC Wochenende mit dem Zug nach Kroatien gefahren sind, konnte ich schon aus dem Fenster die wunderbare Landschaft von Slowenien entdecken. Und spätestens nach dem 60 Cent Spinat-Brötchen am Bahnhof von Ljubljana stand fest, das wir wiederkommen. Jetzt möchte ich natürlich auch liebsten durch die schöne Landschaft fahren und ganz mit Ruhe und Zeit alles anschauen. Der nächste Sommer kommt also hoffentlich ganz schnell.
    Alles Liebe,
    Lena

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